Das Einführungs-SIV ist die wichtigste Trainingsphase im Gleitschirmfliegen, in der ein Pilot erstmals seine Komfortzone verlässt und lernt, den Schirm in instabilen Flugzuständen zu steuern. Dieser Kurs ist nicht nur das Ausführen von „Tricks" — es geht um das Verständnis der Schirmdynamik und die Kontrolle der Angst.
Hier ist eine detaillierte Übersicht über den SIV-Einführungskurs:
1. Ausrüstungsvorbereitung und Anforderungen
Vor der Zulassung zum SIV wird die Ausrüstung streng geprüft, da die Belastungen deutlich höher sind als beim normalen Fliegen.
Rettungsschirm: Muss frisch gepackt sein (innerhalb der letzten 6 Monate). Der Griff muss leicht erreichbar sein.
Schwimmweste: Eine automatische oder halbautomatische Schwimmweste ist für den Fall einer Wasserlandung obligatorisch.
Funkverbindung: Zwei Funkgeräte (Haupt- und Ersatzgerät) sind erforderlich, vorzugsweise in wasserdichten Hüllen und mit einem Helm-Headset, damit der Pilot den Fluglehrer während der Manöver klar hören kann.
Beschleuniger: Der Beschleuniger muss funktionsfähig und so eingestellt sein, dass er bei einem Frontaleinklapper oder „Ohren anlegen" sofort eingesetzt werden kann.
Kappmesser: Ein spezielles Messer an der Gurtzeug-Befestigung zum Durchtrennen von Leinen bei Verwicklungen oder Wasserlandungen.
2. Rolle und Verantwortung des Fluglehrers
Der Fluglehrer beim SIV-Kurs ist Ihr „Auge vom Boden". Seine Rolle ist entscheidend:
Briefing und Debriefing: Vor jedem Flug erklärt der Fluglehrer das Manöver im Detail; nach dem Flug analysiert er die Videoaufnahmen zur Fehlerkorrektur.
Funkkoordination: Der Fluglehrer gibt in der Luft Echtzeitanweisungen (z. B. „Ziehen", „Loslassen", „Gewichtsverlagerung rechts").
Sicherheitskontrolle: Der Fluglehrer überwacht Ihre Höhe. Wird ein Manöver gefährlich, gibt er den Befehl, den Rettungsschirm zu werfen oder das Manöver abzubrechen.
Rettungsboot: Das Team des Fluglehrers muss ein Boot auf dem Wasser bereithalten, das den Piloten innerhalb von 60–90 Sekunden nach einer Wasserlandung erreichen kann.
3. Detaillierte Beschreibung der Manöver
A. Pitch- und Rollkontrolle
Dies ist die Grundlage aller Manöver. Der Pilot nutzt die Bremsen, um den Schirm künstlich vor und zurück (Pitch) oder seitlich (Roll) zu schwingen.
Ziel: Lernen, den Schirm zu stoppen, wenn er nach vorne „schießt", und Einklapper zu verhindern.
Details: Man muss den genauen Moment spüren, um die Bremsen zur Energiedämpfung einzusetzen.
B. Ohren anlegen
Der Pilot zieht an den äußeren A-Leinen und faltet die Flügelspitzen.
Ziel: Ein stabiles Sinken mit 3–5 m/s erreichen.
Details: Auf Einsteigerniveau lernt man, „Ohren anlegen" mit dem Beschleuniger zu kombinieren, um die Vorwärtsgeschwindigkeit beizubehalten und einen Strömungsabriss zu vermeiden.
C. Asymmetrischer Einklapper
Der Pilot zieht einen A-Tragegurt scharf nach unten und faltet eine Hälfte des Schirms.
Ziel: Lernen, den Kurs mit einem eingeklappten Schirm beizubehalten.
Details: Entscheidend ist die Gegenbewegung — Gewichtsverlagerung zur offenen Seite und leichtes Bremsen, um ein Eindrehen in die Spirale zu verhindern.
D. Symmetrischer (frontaler) Einklapper
Ein scharfer Zug an beiden A-Tragegurten, der die gesamte Eintrittskante einklappt.
Ziel: Korrekte Wiederherstellung ohne „Überbremsen".
Details: Beim Frontaleinklapper fällt der Schirm hinter Sie. Der Pilot muss die Hände vollständig loslassen, warten bis der Schirm nach vorne schießt, und ihn bei Bedarf kurz mit den Bremsen „auffangen".
E. Suche nach dem Strömungsabriss-Punkt
Langsames Ziehen der Bremsen, bis der Schirm beginnt, Geschwindigkeit zu verlieren und zu „brechen".
Ziel: Die kritische Grenze Ihres Schirms bestimmen, jenseits derer er nicht mehr fliegt.
Details: Dies ist ein Moment hoher Verantwortung, der den Piloten auf den Vollströmungsabriss vorbereitet.
Bedeutung: Warum ist das wichtig?
Ohne ein Einführungs-SIV ist ein Pilot in turbulenter Luft nur ein „Passagier". Nach diesem Kurs werden Sie ein aktiver Pilot, der einen Vorfall erkennen und in Sekunden korrigieren kann.