Gleitschirm-Glossar
Ein umfassender Leitfaden zu Gleitschirmterminologie, Ausrüstung und Wetterkonzepten.
A
Anstellwinkel
Der Winkel zwischen Flügelprofilsehne und anströmender Luft. Ein größerer Anstellwinkel erhöht den Auftrieb, jenseits eines kritischen Werts reißt die Strömung ab und der Schirm strömt ab.
B
Beschleuniger (Speedbar)
Ein fußbetätigtes System, das den Anstellwinkel verringert und die Geschwindigkeit erhöht. In turbulenter Luft steigt damit das Klapprisiko.
Bremse (Steuerleine)
Die an der Hinterkante befestigte Steuerleine; damit steuert der Pilot Richtung und Geschwindigkeit und flart bei der Landung.
E
Einseitiger Klapper
Ein Einklappen einer Flügelseite, meist durch Turbulenz. Der Pilot stoppt zuerst die Drehung mit der Gegenbremse und öffnet dann die geklappte Seite wieder.
EN-Zertifizierung
Die europäische Norm, die Schirme nach passiver Sicherheit von A bis D einstuft. EN-A ist die sicherste Klasse und die Schulungsklasse.
F
Flächenbelastung
Das gesamte Fluggewicht geteilt durch die Flügelfläche (kg/m²). Höhere Belastung bringt mehr Geschwindigkeit und Stabilität, aber schärfere Reaktionen.
Flare (Ausflaren)
Die letzte Landephase: kurz über dem Boden werden beide Bremsen kräftig gezogen, um die Horizontalgeschwindigkeit abzubauen und weich aufzusetzen.
G
Gleitzahl
Wie weit der Schirm pro Meter Höhenverlust horizontal fliegt. 9:1 heißt neun Meter vorwärts je Meter Sinken.
Groundhandling
Der Umgang mit dem Schirm am Boden — Aufziehen, über dem Kopf halten und Ablegen. Die Grundfertigkeit für einen sicheren Start.
Gurtzeug
Der Sitz, in dem der Pilot sitzt, über Karabiner mit dem Schirm verbunden. Er enthält den Rückenprotektor und meist den Rettungsschirmcontainer.
H
Hangsoaring
Höhe halten im Aufwindband, das ein Hang nach oben umlenkt. Jede Wende erfolgt vom Hang weg.
I
IPPI-Karte
Ein von der FAI ausgestelltes internationales Dokument, das den Ausbildungsstand eines Piloten im Ausland bestätigt.
K
Kiten
Den Schirm am Boden mit dem Wind stabil über dem Kopf halten. Trainiert Pitch- und Rollkontrolle.
R
Rettungsschirm
Der im Gurtzeug mitgeführte Notschirm, der von Hand geworfen wird, wenn der Hauptschirm nicht mehr steuerbar ist.
Rotor
Verwirbelte Luft auf der Leeseite eines Hindernisses. Extrem turbulent und für Anfänger streng verboten.
S
SIV-Kurs
Ein Kurs über Wasser, bei dem der Pilot gefährliche Situationen unter kontrollierten Bedingungen bewusst einleitet und ausleitet.
Streckenflug (XC)
Ein Flug über Strecke weg vom Startplatz, mit Thermik und Wind. Er erfordert Routenplanung und meteorologisches Wissen.
Strömungsabriss (Stall)
Der Zustand, in dem nach zu tiefem Bremsen die Strömung vom Schirm abreißt und der Auftrieb verloren geht.
T
Tandemflug
Ein Flug auf einem Zweisitzer mit einem zertifizierten Tandempiloten. Der Passagier braucht keine Vorbereitung.
Thermik
Eine von der Sonne erwärmte, aufsteigende Luftmasse. Piloten kreisen darin, um Höhe zu gewinnen.
V
Variometer
Ein Vertikalgeschwindigkeitsmesser, der dem Piloten per Ton Steigen oder Sinken meldet.
Venturi-Effekt
Ein starker Anstieg der Windgeschwindigkeit an Geländeverengungen — Tal oder Pass. Der Pilot kommt unter Umständen nicht mehr vorwärts.
W
Windfenster
Der Bereich von Windgeschwindigkeit und -richtung, in dem ein Start an einem Platz sicher ist. Außerhalb wird nicht gestartet.

