Manöver auf fortgeschrittenem SIV-Niveau stellen die „höhere Mathematik" des Gleitschirmfliegens dar. Der Pilot lernt den Schirm genau am Punkt zu steuern, wo die Standard-Aerodynamik aufhört zu funktionieren.
A. Full Stall (Vollständiger Strömungsabriss)
Der Pilot zwingt den Schirm zum Stillstand. Die Umströmung löst sich vollständig ab, der Innendruck geht verloren.
Technik: Symmetrisches, scharfes Durchziehen der Bremsen. Hände fixieren — jedes panische Loslassen verursacht einen gefährlichen Vorschießer (Surge).
Bedeutung: Der „Reset-Knopf" — einzige Möglichkeit, den Schirm bei Kontrollverlust „neu zu starten".
Kritisches Detail: Stabilisierungsphase — Bremsen nicht loslassen, bis der Schirm über dem Kopf stabilisiert ist.
B. Negativer Spin („Flachspin")
Eine Schirmhälfte fliegt vorwärts, die andere stoppt und rotiert rückwärts.
Bedeutung: Tritt häufig bei zu aggressivem Wenden in der Thermik auf.
Kritisches Detail: Ausleitungs-Timing — falscher Zeitpunkt führt zu asymmetrischem Vorschießer und Twist.
C. Backfly (Rückwärtsflug)
Das raffinierteste Manöver — die Grenze zwischen Full Stall und normalem Flug.
Bedeutung: Die „Sicherheitsinsel" zur Lösung jeder Verknotung ohne aggressive Rotation.
Kritisches Detail: Millimeterpräzision im Bremspunkt.
D. Deep Stall (Sackflug)
Aerodynamische Falle — Schirm behält Form, aber keine Vorwärtsfahrt.
Wiederherstellung: Schirm nach vorne drücken per Speed Bar oder A-Gurte.
Zusammenfassung
Das Beherrschen fortgeschrittener SIV-Manöver verleiht „aerodynamische Immunität".