Das Bettsometer ist eines der wichtigsten Instrumente bei der technischen Inspektion von Gleitschirmen. Während das Porosimeter die „Atmung" (Luftdurchlässigkeit) des Stoffs misst, prüft das Bettsometer die mechanische Festigkeit — wie leicht das Schirmtuch unter Belastung reißen könnte.
Ein umfassender Überblick über Bettsometer und Porosimeter:
Das Bettsometer: Gewebefestigkeitstest
1. Funktionsweise des Bettsometers
Das Gerät besteht aus einer kalibrierten Feder und einer Nadel. Der Testprozess:
Einführung: Der Prüfer führt die Nadel vorsichtig in das Schirmtuch ein (normalerweise an der Eintrittskante, wo der Verschleiß am größten ist).
Belastung: Über den Federmechanismus wird eine bestimmte Kraft (Gewicht) auf den Stoff ausgeübt.
Beobachtung: Der Prüfer beobachtet, ob die Gewebefäden der Belastung standhalten oder die Nadel das Material durchsticht.
2. Standards und Indikatoren
Die Belastung am Bettsometer wird in Gramm (oder Newton) gemessen. Internationale Standards (DHV oder EN) definieren die Ergebnisse wie folgt:
> 1000 g — Ausgezeichnet: Stoff ist wie neu mit hoher struktureller Integrität.
600–1000 g — Akzeptabel: Stoff ist gebraucht, aber der Flug ist noch sicher.
< 600 g — Gefährlich: Stoff ist „verbrannt" (UV-Degradation). Fliegen ist streng verboten.
Hinweis: Einige Hersteller setzen den Mindestschwellenwert bei 800 g an, abhängig vom Stofftyp (z. B. Ultraleichtmaterialien).
3. Warum ist dieses Gerät so wichtig?
Das Bettsometer prüft den „unsichtbaren Feind" — Ultraviolette (UV) Strahlung.
UV-Degradation: Längere Sonnenexposition zerstört die Struktur der Nylonfasern. Ein Schirm mag optisch einwandfrei aussehen, aber der Stoff kann „brüchig" werden wie altes Papier.
Kritische Situationen: Ein Schirm mag bei ruhigem Flug halten, aber bei einem belastungsintensiven Manöver versagen (starker Klapper oder Spiralsturz). „Verbrannter" Stoff kann buchstäblich in der Luft reißen.
Das Porosimeter: Luftdurchlässigkeitstest
Das Porosimeter ist das primäre Diagnosewerkzeug für die „Gesundheit" eines Gleitschirms. Es prüft die Dichtigkeit — wie gut der Stoff die Luft im Schirm hält.
1. Funktionsweise
Ein Gleitschirm fliegt durch Innendruck. Das Nylon ist mit einer speziellen Schicht beschichtet, um es luftdicht zu machen. Im Laufe der Zeit nutzt sich diese Beschichtung ab.
Der Prozess: Das Gerät wird auf den Stoff geklemmt. Es erzeugt einen Luftstrom (typischerweise 0,25 Liter bei 10 $hPa$ Druck) und misst die Zeit in Sekunden, die die Luft zum Durchdringen des Stoffs benötigt.
2. Interpretation der Ergebnisse (JDC-Standard)
> 300 s — Ideal (Neu): Der Schirm ist praktisch brandneu.
150–300 s — Sehr gut: Gebrauchter Schirm in gutem Zustand.
50–150 s — Befriedigend: Deutlicher Verschleiß, aber noch flugtauglich.
20–50 s — Kritisch (Alt): Der Schirm ist am Ende seiner Lebensdauer; häufige Kontrollen erforderlich.
< 10–15 s — Untauglich (Gefahr): Fliegen verboten. Der Schirm ist technisch „tot".
3. Warum ist Porosität kritisch?
Sackflug (Deep Stall): Niedriger Druck durch hohe Porosität macht den Schirm anfällig dafür, über dem Piloten hängen zu bleiben ohne Vorwärtsbewegung.
Verschlechtertes Handling: Der Schirm wird „träge" und reagiert langsam auf Piloteneingaben.
Startschwierigkeiten: Der Schirm lässt sich schwer aufziehen, weil Luft durch die Poren entweicht.
Zusammenfassung: Verantwortung des Fluglehrers
Professionelle Fluglehrer müssen beide Instrumente bei jährlichen Inspektionen, beim Kauf/Verkauf gebrauchter Ausrüstung und nach Zwischenfällen (wie Wasserlandungen) einsetzen.
Das Bettsometer prüft, ob der Schirm die Belastung aushalten kann, während das Porosimeter prüft, ob er stabil fliegen wird. Zusammen ergeben sie ein vollständiges Bild der Ausrüstungssicherheit.