Die erweiterten Richtlinien für Instruktoren zu Management und Führung in einer Krise unterscheiden einen „wissenden Menschen" von einem echten Anführer. Bei einem Zwischenfall wird der Instruktor automatisch zum Einsatzleiter. In diesem Moment ist sein wichtigstes Werkzeug nicht ein Verband, sondern organisatorische Struktur.
Ein ausführlicher Überblick über diese Führungssäulen:
1. Notfallplan (EAP) — Die „Notfallkarte"
Ein professioneller Instruktor verlässt sich in Hochstresssituationen niemals auf sein Gedächtnis. Für jeden Flugstandort muss eine vorbereitete digitale oder physische EAP-Karte vorhanden sein.
Hubschrauber-LZ (Landezone): Nicht jede Stelle in den Bergen ist für einen Hubschrauber sicher. Die Karte muss die nächste ebene Fläche, deren GPS-Koordinaten und die vorherrschende Windrichtung angeben.
Kommunikationshierarchie: Wenn kein Mobilfunksignal verfügbar ist, muss der Instruktor vorab wissen, welche Funkfrequenzen die Rettungsdienste überwachen oder wo der nächste Punkt zum Senden einer Satellitennachricht ist (z.B. per Garmin inReach).
Logistikkette: Die Nummer der nächsten Klinik zu kennen reicht nicht aus — man muss wissen, ob sie eine Traumaabteilung hat, um den Patienten nicht in eine unzureichend ausgestattete Einrichtung zu transportieren.
2. Gruppenmanagement & Vermeidung von „sekundären Zwischenfällen"
Hier scheitern viele Instruktoren. Alle rennen zum Opfer, und am Startplatz bricht Chaos aus.
Absperrung des Geländes: Der Instruktor muss eine verantwortliche Person bestimmen (z.B. einen Assistenten oder erfahrenen Schüler), die am Startplatz bleibt und weitere Flüge untersagt. Ein panischer Schüler, der den Sturz eines Freundes beobachtet, ist selbst ein potenzielles Opfer.
Menschenkontrolle: Entfernen von „Schaulustigen" vom Opfer. Zu viele Personen behindern nicht nur die Arbeit, sondern erhöhen auch den psychologischen Stress des verletzten Piloten.
Aufgabendelegation: Ein Anführer macht nicht alles allein. „Du — breite den gelben Schirm als Signal aus", „Du — beobachte den Luftraum, damit keine anderen Piloten hier landen", „Du — achte auf die Zeit".
3. SOAP-Notiz — Professionelle Dokumentation
Mündliche Berichte an Retter sind oft ungenau. SOAP ist der internationale Standard für medizinische Dokumentation:
S (Subjektiv): Was ist passiert? Worüber klagt der Patient? (z.B. „Mein unterer Rücken schmerzt").
O (Objektiv): Objektive Daten und Vitalzeichen-Diagramm:
Puls (Frequenz und Qualität).
Atmung (Atemzüge pro Minute).
Bewusstseinsstufe (AVPU-Skala).
A (Assessment — Bewertung): Ihre Einschätzung (z.B. „Verdacht auf Wirbelsäulentrauma").
P (Plan): Welche Maßnahmen wurden durchgeführt? (z.B. „Tourniquet um 14:20 angelegt", „Zervikale Stabilisierung durchgeführt").
4. Führung und Chief Medical Officer (CMO)
Der Instruktor ist der psychologische Anker vor Ort.
Emotionale Kontrolle: Die Stimme des Instruktors muss leise, bestimmt und ruhig sein. Seine Panik signalisiert den Zusammenbruch der gesamten Gruppe.
Entscheidungsfindung: Manchmal sind schwierige Entscheidungen notwendig — etwa die Bergung des Verletzten, wenn das Verbleiben vor Ort eine größere Bedrohung darstellt (z.B. ein herannahender Sturm oder Steinschlag). Der Anführer trägt diese Verantwortung.
Nachbesprechung: Nach dem Zwischenfall ist der Instruktor verpflichtet, mit der Gruppe zu sprechen, das Geschehene zu erklären und psychologischen Abschluss zu bieten — zur Prävention von Flugangst (PTBS-Prävention).
Zusammenfassung
Der Führungsstil des Instruktors während eines Zwischenfalls bestimmt den Erfolg der Operation. Der EAP liefert den Plan, Management die Kontrolle vor Ort, und die SOAP-Notiz sichert die medizinische Kontinuität. Dies ist der höchste Standard der Professionalität.